Unabhängige Restrukturierungs-Beratung

Unternehmen sollten sich in der Krise für einen externen CRO entscheiden. Nicht nur bei Finanzpartnern erhöht dies das Vertrauen. Oft sehen Sie die Neutralität und Fachexpertise als Garant für vorgelegte Sanierungspläne und deren spätere Umsetzung.

Einleitung

In der Unternehmenskrise oder im Insolvenzverfahren gewinnt die Funktion des Chief Restructuring Officers (CRO) zunehmend an Bedeutung. Die Unabhängigkeit des CRO zählt zu den zentralen Erfolgsfaktoren einer wirksamen Restrukturierung. Nachfolgend werden die Gründe für die begrenzte Handlungsfreiheit interner Führungskräfte erläutert und die Vorteile eines externen, unabhängigen CROs beschrieben.

Determinierung interner Führungskräfte

Interne Führungskräfte (Geschäftsführer, Vorstände) unterliegen in der Krise oftmals erheblichen Einschränkungen ihrer Entscheidungs- und Handlungsfreiheit. Wesentliche Gründe sind:

  • Persönliche Haftungsrisiken: Mit Eintritt der Insolvenzreife (§ 15a InsO) drohen erhebliche zivil- und strafrechtliche Haftungsfolgen. Dies führt häufig zu einer defensiven Entscheidungsfindung („Haftungsvermeidungsstrategie“).
  • Unternehmensinterne Sozialisation: Langjährige Zugehörigkeit zum Unternehmen führt zu persönlichen Bindungen gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Stakeholdern. Diese emotionalen Bindungen können objektive, sachorientierte Entscheidungen erschweren.
  • Interessenverflechtungen: Interne Führungskräfte sind oft finanziell (z.B. Tantiemen, Pensionsansprüche) oder durch gesellschaftsrechtliche Verflechtungen (z.B. als Gesellschafter) mit dem Unternehmen verbunden. Dies kann zu Interessenkonflikten führen.
  • Verlustängste: Die drohende persönliche oder berufliche Konsequenz im Falle eines Scheiterns (Reputationsverlust, Arbeitsplatzverlust) hemmt die Bereitschaft zu radikalen, aber notwendigen Maßnahmen.

Externer CRO: Unabhängigkeit als Erfolgsfaktor

Der externe Chief Restructuring Officer (CRO) bringt nicht nur Unabhängigkeit in der Entscheidungsfindung, sondern auch methodische Kompetenzen im Umgang mit den typischen Herausforderungen einer Unternehmenskrise ein:

Objektivität und Unabhängigkeit

  • Der externe CRO ist nicht Teil gewachsener Strukturen und unterliegt keinen Loyalitätskonflikten gegenüber Mitarbeitern oder Stakeholdern.
  • Gerade bei Verhandlungen mit Banken oder anderen Finanzierungsgebern ist diese Unabhängigkeit zentral. Banken erwarten einen neutralen Verhandlungspartner, der frei von internen Interessenkonflikten agiert. Die Glaubwürdigkeit und Verhandlungsposition des Unternehmens werden so gestärkt.
  • Der CRO bringt darüberhinaus Erfahrung aus einer Vielzahl von Restrukturierungsmandaten und Branchen mit. Dies fördert den „Blick von außen“ und die Identifikation unkonventioneller Lösungswege.
  • Die Bestellung eines unabhängigen CRO erhöht das Vertrauen der Gläubiger in den Sanierungsprozess und erleichtert Verhandlungen.

Professioneller Umgang mit emotionalen Widerständen

  • Unternehmenskrisen gehen regelmäßig mit starken emotionalen Reaktionen einher: Wut, Überlastung, Schuldzuweisungen und Unsicherheit sind typische Begleiter eines Turnarounds.
  • Ein externer CRO ist nicht persönlich involviert und kann daher mit der notwendigen professionellen Distanz auf Widerstände reagieren.
  • Zu seinen Werkzeugen gehören vorbereitete Kommunikationsstrategien, begleitendes Change-Management und insbesondere Empathie. Diese Elemente sind entscheidend, um Akzeptanz für notwendige Maßnahmen zu schaffen und emotionale Blockaden im Unternehmen zu überwinden.

Einwandbehandlung als Bestandteil des Change-Prozesses

  • Ein professioneller CRO nutzt Einwände aus der Belegschaft, von Partnern oder Kreditoren nicht nur zur Klärung, sondern auch zur kritischen Überprüfung und Verbesserung von Turnaround-Szenarien.
  • Durch systematische Einwandbehandlung wird sichergestellt, dass relevante Argumente berücksichtigt und tragfähige Lösungen entwickelt werden.
  • Der historische Kontext ist (anders als bei unternehmensinternen Stakeholdern) jedoch kein wesentliches Entscheidungskriterium

Vertrauen durch Ehrlichkeit und Offenheit

  • Vertrauen ist in der Krise die wichtigste Ressource. Der externe CRO setzt daher auf konsequente Ehrlichkeit und Offenheit in der Kommunikation – sowohl nach innen (Mitarbeiter, Führungskräfte) als auch nach außen (Gläubiger, Lieferanten, Banken).
  • Diese Transparenz fördert die Glaubwürdigkeit des Sanierungsprozesses und erhöht die Bereitschaft aller Stakeholder zur Mitwirkung.

Shift of Duties in der Eigenverwaltung

  • Im Rahmen der Eigenverwaltung verschiebt sich die Geschäftsleiterpflicht von der Wahrung eigener Interessen hin zur Sicherstellung der bestmöglichen Gläubigerbefriedigung („shift of duties“).
  • Ein externer, unabhängiger CRO kann diesebzügliche Pflichtverletzung wesentlich besser ausschließen, da er nicht den Interessenkonflikten interner Organe unterliegt (vgl. § 270b Abs. 2 InsO).
  • Entscheidungen werden ausschließlich im Interesse der nachhaltigen Sanierung und Gläubigerbefriedigung getroffen.

Der externe CRO unterscheidet sich also in mehrfacher Weise fundamental von internen Organen.

Rechtlicher Rahmen

Die Bedeutung der Unabhängigkeit wird auch gesetzlich betont:

– § 270b InsO (Eigenverwaltung): Der Sachwalter – ähnlich dem CRO – muss unabhängig sein; Interessenkonflikte sind auszuschließen.
– § 1 StaRUG: Schon bei Einleitung eines Restrukturierungsverfahrens fordert das Gesetz die Unabhängigkeit der Verfahrensbeteiligten.
– BGH, Beschluss vom 04.07.2019 – IX ZB 16/18: Der Bundesgerichtshof stellt klar, dass gesellschaftsrechtliche oder persönliche Verflechtungen mit dem Schuldner regelmäßig gegen die Unabhängigkeit sprechen.

Fazit

Die Krisenbewältigung erfordert häufig unpopuläre, schnelle und tiefgreifende Maßnahmen. Interne Führungskräfte sind aufgrund persönlicher, wirtschaftlicher und sozialer Bindungen oftmals in ihrem Handeln limitiert. Der externe, unabhängige CRO kann – frei von diesen Einschränkungen – objektiv, sachlich und ausschließlich am Sanierungserfolg orientiert agieren. Für Geschäftsleiter, die sich in einer Krisensituation befinden, ist die Hinzuziehung eines unabhängigen CRO daher nicht nur sinnvoll, sondern im Sinne der eigenen Haftungsvermeidung sowie zur Stärkung des Vertrauens von Gläubigern und Marktpartnern dringend zu empfehlen.

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